Wilding Gardens Conference
15.-16.Jan.2026 in Manchester
Organisiert von Charlie Burell, Charlie Harpur, James Hitchmough, Adam Hunt, Tom Stuart-Smith, Isabella Tree und Lulu Urquhart.
Am Vortag der „Wilding Gardens Conference“ in Manchester gönne ich mir in einem Café mit Blick auf den Whitworth Park eine Tasse Tee. Zwei wohlgenährte Grauhörnchen jagen um einen Baumstumpf; sie wirken ein wenig behäbig und plump im Vergleich zu den flinken roten Eichhörnchen, die ich aus Deutschland gewohnt bin. Ich erinnere mich daran, dass mir englische Freunde erzählten, rote Eichhörnchen seien hierzulande eine Seltenheit geworden, fast vollständig verdrängt von den invasiven Grauhörnchen. Ein passender, wenn auch wehmütiger Einstieg, denke ich mir – und tatsächlich beginnt Craig Bennett, Geschäftsführer von "The Wildlife Trust" und Honorarprofessor für Nachhaltigkeit und Innovation an der Alliance Manchester Business School, die Konferenz am nächsten Tag mit einem Vortrag, der sofort den Rahmen der Dringlichkeit setzt.
Hinter ihm auf der Leinwand leuchtet der „Blaue Planet“. Es ist jenes ikonische Bild der Erde aus dem All, das einst den Startpunkt der modernen ökologischen Bewegung markierte und uns die Endlichkeit unserer planetaren Grenzen vor Augen führt. Es folgen bunte Balkendiagramme, die „Warming Stripes“[1], die die Erderwärmung im Zeitverlauf illustrieren. Weitere Grafiken zeigen den rapiden Anstieg der Ausrottungsgefahr verschiedener Spezies – eine Flut von Zahlen, die ein düsteres Bild zeichnen[2]. Es sind Fakten, die wir zwar kennen, die wir aber dennoch immer wieder erfolgreich aus unserem Bewusstsein verdrängen. Bennett spricht vom massiven Verlust der Biodiversität[3], dem Verfehlen sämtlicher Klimaziele und den verheerenden Folgen der industriellen Landwirtschaft. Doch seine Analyse geht weiter: Wir befinden uns nicht nur in einer Klimakrise. Wir stecken in einer Krise des Verbindungsverlustes zur Natur. Die Zeit, die Kinder (und vermutlich auch wir Erwachsenen) im Freien verbringen, sinkt kontinuierlich. Vor allem aber leiden wir unter einer Krise der „Personal Agency“ – der persönlichen Handlungsmächtigkeit, dem Vertrauen darauf, dass das eigene Handeln eine spürbare Veränderung bewirken kann. Die Ohnmacht, die angesichts der Größe der Aufgabe entsteht, führt nur allzu leicht in eine private wie kollektive Verdrängung.
Doch bevor die Hoffnungslosigkeit den Raum ganz einnehmen kann, betritt Isabella Tree die Bühne. Sie berichtet von dem wundersamen Wandel auf dem Knepp Estate, nachdem sie und ihr Mann Charlie Burell entschieden die 3.500 Hektar ehemaliges Farmland, dessen Böden durch die industrielle Landwirtschaft bis zur Unbrauchbarkeit ausgelaugt waren, in einem von Dr. Frans Vera inspirierten Renaturierungsprojekt in eine lebendige Oase zu verwandeln. „They found us“ – sie haben uns gefunden – so beschreibt Isabella Tree das fast magische Auftauchen von vom Aussterben bedrohten Insekten und Vögeln, kurz nachdem sie freilaufende Pflanzenfresser wie das Longhorn-Rind ausgewildert hatten. Diese Botschaft der Hoffnung zeigt, dass Wandel selbst auf „Bodenruinen“ möglich ist. Man spürt förmlich, wie sich die Stimmung im Saal in Tatendurst verwandelt.
Hier rücken die Gärten ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die gesamte Gartenfläche des Vereinigten Königreichs ist größer als die aller Parks; sie bergen ein unschätzbares Potenzial. Während E. O. Wilson in seinem Buch „Half Earth“ forderte, 50 % der Planetenoberfläche der Natur zur Verfügung zu stellen, untermauert Dr. Katherine Baldock, Associate Professor für Ökologie an der Northumbria University in Newcastel am Tyne mit besondere Expertise im Bereich Bestäuber und Bestäubungsleistungen, dies mit Fakten: Ihre Studien zeigen, dass der Anteil der Bestäuber in urbanen Gegenden oft ungleich höher ist als auf dem Land. Ein Großteil des Nektarangebots findet sich heute in Gärten.
Allerdings braucht es einen Paradigmenwechsel in der kulturellen Ästhetik, in der Vorstellung davon, wie Gärten auszusehen haben. Auf Knepp wurde der ummauerte Privatgarten unter der Leitung von Tom Stuart-Smith und James Hitchmough von einer konventionellen Rasenfläche in einen komplexes, hochgradig biodiverses Ökosystem und gleichzeitig ästhetisch ansprechenden Garten umgewandelt. 400 Tonnen Sand und Bauschutt wurden auf den ehemaligen Krocket-Rasen aufgeschüttet. Diese bewusste Schaffung von Unebenheiten und kargen Substraten generiert kleinteilige Habitate für unterschiedlichste Tier- und Pflanzenarten. Charlie Harpur, der Head Gardener beschreibt, wie sein Team arbeitet. Sie sehen den Garten als ständig im Prozess befindliches Ökosystem. Während traditionelle Gärtner oft versuchen, einen statischen Idealzustand aufrechtzuerhalten, imitieren Harpur und sein Team die Dynamik der Wildnis. Ihre Eingriffe ahmen die Pflanzenfresser der renaturierten Fläche von Knepp nach. Anstatt eines radikalen Rückschnitts im Winter oder Frühjahr, der mit einem Schlag alle Rückzugsorte für Insekten vernichtet, ist die Pflege hier ein fortwährender, kleinteiliger Prozess. Die Gärtner „knabbern, grasen und trampeln“, genau wie es das Wild auf den großen Flächen von Knepp tun würde. Und doch bleibt es ein Garten, der ästhetischen Ansprüchen folgt. Ein Gleichgewicht aus bis zu 1.000 Pflanzenarten, die mit Blick auf die Erderwärmung ausgewählt wurden, wird durch gezielte, ständige Eingriffe gewahrt. Ein entscheidendes Gestaltungsmittel sind dabei die „Cues to Care“[4], Hinweise auf die pflegende Hand. Es ist die Rahmung, die das Wilde, das Chaos und den Verfall kunstvoll arrangiert und so „Natur“ von „Garten“ unterscheidet: Seien es freigehaltene Wege, kunstvoll verwobene Gräser oder Bündel aus Samenständen, die dekorativ an einen Stapel Rückschnittgut aufgehängt werden.
Eine ökologische Bestandsaufnahme zu Beginn des Projektes macht den Erfolg messbar. In nur drei Jahren hat sich die Anzahl der Arten um 34% erhöht. Der "Walled Garden" von Knepp beheimatat nun 434 Insektenarten (einige landesweit selten) und jedes Jahr finden neue Vogel- und Fledermausarten ihren Weg in den Garten.
Auch Fergus Garrett, Head Gardener des legendären Gartens Great Dixter widmete sich in seinem Vortrag der Relevanz von Komplexität. Eine wissenschaftliche Studie[5] fand überraschenderweise die höchste Dichte an Insektenarten nicht etwa in der Wildblumenwiese mit heimischen Pflanzen, sondern in den intensiv kuratierten, hochästhetischen Gartenbereichen. Er betonte, dass sie Pflanzen im Garten nicht nach rein ökologischer Nützlichkeit aussuchen, sondern nach ästhetischen Kriterien. Dass daraus dennoch ein so wertvoller Lebensraum entsteht, führt er auf zwei fundamentale Prinzipien zurück: Diversität und Komplexität.
Dies beginnt bei der Art der Bepflanzung auf Dixter. In dichten Schicht teilen sich verschiedenste Pflanzen denselben Lebensraum. Eine Blühphase wird von der nächsten abgelöst und versorgt so von früh bis spät ins Jahr die Insekten mit Nahrung, wobei hier heimische und exotische Pflanzen gleichermaßen eine Rolle spielen. Weitere Erfolgsfaktoren für diese Artenvielfalt sind:
Abwechslungsreiche Topographie, unterschiedlichste Mikroklimata im Garten bieten Nischen für spezialisierte Arten.
Strukturelle Vielfalt: Alte Mauern, Schuppen und Totholz werden als wertvolle Lebensraum-Bausteine begriffen.
Der konsequente Verzicht auf Chemikalien seit über 18 Jahren.
Diversität der Bearbeitung: Die Störung des Bodens in den Beeten schafft andere Lebensräume als die völlig unberührten Bereiche.
Letztlich, so Garrett, ist es die Kombination aus jahrzehntelanger, liebevoller Pflege und der Freude am kreativen Experimentieren, die Great Dixter in ein pulsierendes Ökosystem verwandelt.
Eine andere Facette der Komplexität präsentierten Landschaftsdesigner Lulu Urquhart und Adam Hunt mit ihrem Show Garten "A Rewilding Britain Landscape" den sie für die Chelsea Flower Show 2022 entwarfen. Der mit Gold und "Best in Show" ausgezeichnete Garten simulierte ein natürliches Biber Ökosystem in Südwestengland, das durch eine Schlüsselspezies Lebensraum für unzählige andere Pflanzen und Tiere verbessert.
Die Designer verstehen den Biber als "Öko-Ingenieur" der Auenwälder regeneriert, Überschwemmungen mildert und durch die Verlangsamung von Fließgewässern neue Lebensräume schafft. Der Showgarten imitierte einen durch einen Damm gestauten Bachlauf, der ein wertvolles Feuchtgebiet entstehen ließ. Statt exotischer Pflanzen wurden ausschließlich heimische genutzt, es gab eine Trocckenmauer, Totholz und altes Laub. Ein begleitender Soundscape[6] machte das Erlebnis einer intakten Biberlandschaft akustisch greifbar. Das Projekt verdeutlichte einem Millionenpublikum, dass wahre ökologische Komplexität auch ein gewisses Maß an Chaos, Verfall und Tod beinhaltet – und gerade daraus neues Leben schöpft.
Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz war der Umgang mit Wasser, mit dem extremen Wechsel zwischen Mangel und Überfluss. James Hitchmough, Professor Emeritus für Gartenbauökologie an der University of Sheffield und Berater für Landschaftsprojekte wie der Londoner Olympiapark, übte scharfe Kritik an unserem tief verwurzelten kulturellen Ideal des „saftigen“ Gartens. Wir pflanzen bevorzugt Mesophyten (Pflanzen mit mittlerem Wasserbedarf), die natürlicherweise in feuchten Randzonen vorkommen. Dass wir das Gießen als notwendigen Ausdruck von Pflege verstehen, bezeichnete er kurz und knapp als „Grand Illusion“.
Hitchmough bemängelte, dass sich weder das Angebot in Pflanzenkatalogen noch das Wissen in Lehrwerken ausreichend an den Klimawandel angepasst hätten. Oft werde stillschweigend davon ausgegangen, dass Wassermangel einfach durch Bewässerung ausgeglichen wird. Doch das führt zu einem Problem, selbst wenn man trockenheitsresistente Arten mit durstigen Mesophyten mischt, bestimmen immer die schwächsten Pflanzen das Bewässerungsregime. Sein Fazit: Wir brauchen nicht nur neues Wissen über den tatsächlichen Wasserbedarf, sondern auch eine neue Ästhetik, die ohne künstliche Lebensverlängerung durch die Gießkanne auskommt.
Wie wir Niederschläge effektiver nutzen können, erläuterte Gartendesignerin Wendy Allen. Sie plädierte für sogenannte „Regengärten“, die dazu beitragen, das Kanalsystem bei Sturzfluten zu entlasten. Im Grunde benötigt es nur eine flache Vertiefung in gut durchlässigem Boden, die es ermöglicht, dass Regenwasser sich dort sammelt und innerhalb von 12-24 Stunden allmählich versickert.
Wie ästhetisch eine solche Lösung sein kann, zeigte sie mit ihrem preisgekrönten Projekt „The Rain Chain“ (RHS Hampton Court 2009)[7]. Hier fließt überschüssiger Regen von einem begrünten Carport-Dach über eine Kette direkt in den Auffangbereich. Wichtig ist lediglich für diesen auf Pflanzen zurückzugreifen, deren Wurzeln es vertragen längere Zeit im Nassen zu stehen.
Einen bewussten Bruch mit der Euphorie vollzog Mike Edwards, langjähriger Klimawandelberater der Elders Foundation (u.a. für Kofi Annan) und Musiker, der Nachhaltigkeit mit Sound-Ökologie verbindet. Er provozierte mit der Feststellung, dass er Gärtner noch nie verstanden hat, da sie in seinen Augen im ständigen Krieg mit der Natur stünden, wovon das Arsenal an Pestiziden und Herbiziden in den Gartenzentren Bände sprechen. Dass wir heute einen Begriff wie „Rewilding“ überhaupt brauchen, sei für ihn ein Beleg dafür, in welchem ökologischen Schlamassel wir stecken. Als Musiker schlägt er einen Perspektivwechsel, bzw. Sinneswechsel von den Augen zu den Ohren vor. Die Frage lautet dann: "Wie sollen unsere Gärten klingen?".
Die toxische Realität hinter dieser Frage vertiefte Dave Goulson, Professor für Biologie an der University of Sussex, Gründer des Bumblebee Conservation Trust und Mitautor der sogenannten Krefelder Studie, welche das Insektensterben in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Während in der EU etwa 500 Pestizid-Wirkstoffe zugelassen sind, sind es in den USA über 5.000; in vielen anderen Teilen der Welt gleicht die Situation dem „Wilden Westen“. Der Irrsinn dabei: Hochgiftige Mittel, die in der EU längst verboten sind, werden hierzulande weiterhin für den Export produziert. Wir importieren sie dann über billige Agrarprodukte einfach wieder zurück (ein Thema, das auch der Konzernatlas der Heinrich-Böll-Stiftung eindringlich beleuchtet).[8] Doch das Gift lauert auch dort, wo wir es am wenigsten erwarten. Fipronil beispielsweise ist als Pestizid in der Landwirtschaft verboten, findet sich aber in „Spot-on“-Präparaten gegen Zecken bei Hunden. Springt der behandelte Hund in einen Fluss oder See, trägt er den Wirkstoff direkt in das Gewässer. Besonders perfide: Selbst als „bienenfreundlich“ deklarierte Stauden aus herkömmlichen Gartencentern können mit systemischen Insektiziden belastet sein, die sie für eben jene Insekten zur tödlichen Falle machen.
Ein anderes Thema, dass sich wie ein roter Faden durch fast alle Vorträge zog war Verbindung. Wir müssen lernen den eigenen Garten nicht länger isolierte zu betrachten, sondern als Teil eines größeren Ganzen. Es gilt, Korridore aufzubauen, die Bedingungen für Wildtieren schaffen, sich sicher fortzubewegen, Nahrung und Unterschlupf zu finden und schlichtweg zu überleben.
Libby Drew, Direktorin der Knepp Wildlife Foundation berichtet in diesem Zusammenhang von dem beeindruckenden Projekt "Weald to Waves".[9] In Sussex ist es gelungen, einen 160 Kilometer (100 Meilen) langen Naturkorridor aus einem Netzwerk von über 150 Landwirten und über 1000 Gärten und Grünflächen zu kreieren, der durch die fragmentierte Landschaft führt.
Drew betont die Wichtigkeit der Datenerhebung. Alle Mitwirkende werden einladen Daten zu sammeln, Sichtungen zu fotografieren und ihre Erfahrungen zu teilen um gemeinsam zu lernen und Fortschritte zu dokumentieren. So entsteht nicht nur ein physicher Korridor, sondern auch eine lernende Gemeinschaft.
Ein anderes ambitioniertes Projekt, wenn auch noch in den Kinderschuhen, nennt sich "Cyanline".[10] Auch sie wollen Korridore schaffen, jedoch in der Stadt Manchester. Programmleiter Steve Connor skizziert die Vision von einer Welt in der man durch die Stadt laufen kann und immer vom Grün der Pflanzen und Blau des Wassers umgeben ist.
Es sind nicht nur die Verbindungen der Grünflächen, die eine Rolle spielen. Es geht auch um die Verbindung der Menschen zu der Natur und der Menschen untereinander.
Wie wichtig der Austausch ist, erzählen Landschaftsarchitekt Joe Perkins und Parkleiterin Philippa Reece von Sheffield Park (National Trust). Sie müssen sich die Frage stellen, wie sie den geschichtsträchtigen Landschaftspark in die Zukunft führen können. Viele der alten Bäume werden sich nicht mehr an die veränderten Umweltbedingungen adaptieren können. Dies ist nicht nur eine gärtnerische Herausforderung, sondern auch eine psychologische. Sie müssen die Besucher aktiv mitnehmen und erklären, warum sich das gewohnte Bild an einigen Stellen radikal wandelt, wie etwa im von Perkins mit Blick auf den Klimawandel neu gestalteten 'Garden for a Future'.
Viele der Head Gardener berichten von den "Yours sincerly"-Briefen, wie Fergus Garrett sie nennt – Beschwerden über "Unordnung" und "Verwahrlosung". Sheila Das, Head of Gardens and Park beim National Trust und Trustee des Beth Chatto Education Trust, betonte hierzu, wie wichtig es sei, die Grenzen der Menschen Veränderungen zu akzeptieren anzuerkennen und sie dort abzuholen, wo sie sie stehen. Doch es gibt auch die „Grief Letters“, Briefe der Verzweiflung und den Schmerz über den Verlust der Natur.
Gegen die „Crisis of Agency“ hilft das Erleben von Gemeinschaft. Richard Scott, kreativer Ökologe sowie Mitbegründer und Direktor des National Wildflower Center, das heute im Eden Project angesiedelt ist, erzählte von gemeinschaftsbasierten Naturschutzprojekten, bei denen Anwohner gemeinsam eine Brachfläche in eine Wildblumenwiese verwandelten – Kleine Samen, große Resultate. John Willshire, Gründer von Smithery, einem unabhängigen Büro für strategisches Design, berichtet davon, wie der Versuch mit seinen Kindern mittels einer selbstgebauten Kamera Tiere im eignen Garten zu fotografieren in einer Nachbarschafts-WhatsApp-Gruppe endete, in der nun Fotos von Vögeln und Insekten geteilt werden. Dies wiederum motivierte viele Anwohner, in ihre eigenen Gärten Unterschlupf und Nahrungsquellen zu integrieren.
Ana Gilchrist, Co-Leiterin des Masterstudiengangs für Nature Recovery, Restoration and Rewilding und Senior Lecturer für Umweltmanagment und Ökologie an der University of Manchester, arbeitet an Rewilding-Projekten in Grundschulen, um dem „Shifting Baseline Syndrome“ entgegenzuwirken. Gemeint ist damit der schleichenden Verlust des Wissens darüber, wie eine intakte Natur überhaupt aussieht. Gilchrist illustriert dies an einem Beispiel: Während unsere Großeltern vielleicht noch täglich einem Igel begegnet sind, war es in ihrer Generation schon eher selten und viele Kinder der heutigen Generation haben noch nie einen wilden Igel gesehen. Für die meisten Leser gehört die insektenverklebte Autoscheibe noch zu den Urlaubserinnerungen; für heutige Generationen klingt dies schon wie ein Mythos längst vergangener Tage. Die Schulkinder werden in den Prozess des "Rewildings" einbezogen, da sie ihre Spielplätze am besten kennen. Sie wissen z.B. wo im Winter das Wasser steht und welcher Ort sich somit am besten für die Anlage eines Teichs eignet. So kann gleichzeitig interdisziplinäres Lernen über die Natur stattfinden und durch Beobachtungen weitergeführt werden. Die inhärente Liebe zur Natur, die bei kleine Kinder am größten ist wird dabei genährt und genutzt.
Diese kleinen Erfolgsgeschichten, der Austausch und das Erleben von Gemeinschaft wecken die Hoffnung der Menschen und können sie ermutigen, selbst aktiv zu werden.
Manche der Vorträge sind auf der Webseite der Konferenz als Recordings zum nachschauen zu finden: https://www.wildinggardens.co.uk/recordings
Dieser Artikel wurde veröffentlicht in: Der Staudengarten – Magazin der Gesellschaft der Staudenfreunde e.V., 3-2026
Diagramm der Erderwärmung, die berühmten "Warming Stripes":https://showyourstripes.info/.↩︎
State of Nature Report UK: stateofnature.org.uk (das Standardwerk für den Zustand der britischen Natur). EU Pendant: Der Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) "State of Nature in the EU". ↩︎
Siehe den Biodiversity Intacness Index des Natural History Museums(BII) z.B auf https://resourcewatch.org/↩︎
Ein Konzept von Nassauer, Joan Iverson (1995): „Messy Ecosystems, Orderly Frames“. In: Landscape Journal 14(2), S. 161–170.↩︎
Great Dixter Biodiversity Audit 2017-2019, prepared by Andy Philips for the Great Dixter Charitybla Trust. https://www.greatdixter.co.uk/wp-content/uploads/2024/01/great-dixter-biodiversity-audit-report-2017-20191.pdf↩︎
Soundscape des Rewilding Gartens von Urquhart & Hunt https://soundcloud.com/soundmattersproject/rewilding-britain-landscape-soundscape-by-sound-matters?utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing↩︎
Siehe Wendy Allens Show Garten https://www.wendyallendesigns.co.uk/. Weiter Informationen zu Regengärten unter https://raingardens.info/↩︎
"Pestizide: In der EU verboten, von Konzernen exportiert" von Silke Bollmohr und Susan Haffmans in: Der Konzernatlas 2026. https://www.boell.de/de/konzernatlas#beitraege ↩︎
Weald to Waves wurde 2022 ins Leben gerufen, als die ersten sieben Landbesitzer eine Absichtserklärung unterschrieben. https://www.wealdtowaves.co.uk/↩︎